Schule bildet für das Leben aus, nicht für den Job. Was zur Allgemeinbildung gehört, entscheidet nicht der aktuelle Arbeitsmarkt, sondern der Bildungs-anspruch einer Gesellschaft. Dazu gehört auch die KULTURTECHNIK INFORMATIK. Der Zwang zur Klarheit GASTKOMMENTAR Roderick Bloem Informatik ist für viele ein unbe-kanntes Fach. In der momentanen öffentlichen Diskussion herrscht bei manchen das Bild vor, dass In-formatik die Bedienung von Of-fice-Software oder die Benutzung von KI betrifft. All das mag nützlich sein, hat mit dem Kern der Informatik aber so wenig zu tun wie Maschinen-schreiben mit Literatur. Wer für Latein argumentiert, tut das mit guten bildungs-theoretischen Gründen: Es schult Struktur, Präzision und das Verständnis formaler Systeme. Genau solche Gründe sprechen auch für Informatik. Eine sinnvolle Position in der aktuellen Debatte ist jedoch nur möglich, wenn klar ist, was Informatikunterricht tatsächlich leistet - und was nicht. Informatik ist älter als der Computer selbst. Lange bevor Maschinen rechneten, ging es darum, Probleme so zu be-schreiben, dass sie eindeutig und wiederholbar lösbar sind. Schon in der babylonischen Mathematik, bei Euklid oder in der systematischen Grammatik ging es nicht um Ergebnis-se, sondern um Verfahren: logische Regeln, die ohne Inter-pretation ausgeführt werden können. Informatik steht in dieser Tradition. Sie fragt nicht primär, was gilt, sondern wie etwas so beschrieben werden kann, dass es zuverläs-sig ausgeführt wird. D as zentrale Bildungsziel der Informatik ist daher nicht Programmieren als Fertigkeit, sondern „Computational Thinking: Probleme zerlegen, Regeln explizit machen, Ausnahmen erkennen, Verfahren präzisieren. Entschei-dend ist dabei ein Perspektivwechsel: Sie zwingt dazu, die eigene Intuition zu verlassen und zu fragen: Ist meine Be-schreibung eindeutig genug, um ohne Interpretation zu funktionieren? Das Sieb des Eratosthenes beispielsweise wurde von den antiken Griechen erfunden, um zu entscheiden, ob e…
Der Roderick hat einen mMn tollen Artikel im Profil geschrieben. Er hat mich in jungen Jahren massivst unterstützt und ist einer der klügsten Köpfe, die ich kenne.
Hab 2017 ein Semester lang 12-16 Jährige in Informatik unterrichtet. Computer kamen nur in den letzten 3 Wochen zum Einsatz.